Écrit par Dan Thoma Dimanche, 13 Février 2011 15:08

Vor ungefähr 30 Jahren haben Experten festgestellt, dass jeder zehnte Einwohner der industrialisierten Welt als fettleibig gilt. In Zwischenzeit hat sich diese Zahl verdoppelt, ja sogar verdreifacht. Studien der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die Ende September 2010 veröffentlicht wurden besagen, dass in der Hälfte der 33 Mitgliedstaaten jeder zweite Bürger übergewichtig ist. Dieser Umstand bringt mit sich, dass auch die Beschäftigten des Gesundheitswesens sich dieser Herausforderung stellen müssen.

Vor kurzem organisierte die ALIAR asbl, die Vereinigung der Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, eine Weiterbildung mit dem Thema “Management des adipösen Patienten”. Ungefähr 100 Gesundheitsberufler waren dem Aufruf ins Mondorfer Wasserhaus gefolgt und verfolgten gespannt die Vorträge der einzelnen Referenten.

Im ersten Vortrag des Tages war es Dr Marc Gallion, Anästhesist am Universitätsklinikum Homburg/Saar, der über die anästhesierelevanten pathophysiologischen Veränderungen bei morbidem Übergewicht referierte. Neben Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem sind es vor allem die respiratorischen Veränderungen, die im Falle einer Anästhesie zu schweren Komplikationen führen können.

Oft treten Probleme aber nicht erst im Krankenhaus auf, sondern schon zu Hause bei den Patienten. Wie transportiert man einen 300 Kg schweren Menschen ins Krankenhaus? Immer öfters müssen sich die Spezialisten aus dem Rettungsdienst diese Frage stellen. Auch in Luxemburg sind solche Einsätze immer mehr an der Tagesordnung. Die Verwaltung der Hilfsdienste setzt dabei auf einen umgebauten Rettungswagen, der von denen verschiedenen Einheiten angefragt werden kann und welcher in Esch stationiert ist. Dass dies aber keine dauerhafte Lösung des Problems darstellt, zeigte Dr med Holger Wissuwa, ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Herne. Da in Herne und Umgebung besonders viele adipöse Menschen wohnen, haben die Verantwortlichen der Feuerwehr und der Stadt, die Entscheidung getroffen, ein spezielles Fahrzeug anzuschaffen. Auf der Basis eines LKW’s der Firma IVECO wurde bei diesem Mehrzweck-RTW darauf geachtet, dass das ganze Material (Trage, Hebebühne, Platzangebot,...) auf übergewichtige Patienten angepasst ist. Der M-RTW wird bei Patienten ab 150 Kg oder zum Transport von Intensivpatienten in ihrem Krankenhausbett, eingesetzt.

© www.ambulance-photos.com © www.rettungsdienst.de

Für dass es nicht erst zu solchen Problemen kommt, können adipöse Patienten auf eine ganze Reihe von chirurgischen Eingriffen zurückgreifen. Dr Gilbert Schiltz, Chirurg im Centre Hospitalier du Kirchberg, erklärte in seinem Vortrag die einzelnen chirurgischen Verfahren. Laut Schiltz, sind diese Eingriffe die einzigen dauerhaften Lösungen für stark übergewichtige Patienten. Verschiedene bariatrische Eingriffe sind extrem schwierige Eingriffe. Die Komplikations- und Mortalitätsrate liegt deshalb auch höher als bei anderen chirurgischen Eingriffen. Mit diesem Thema schloss Dr Schiltz seinen Vortrag ab.

Nach dem gemeinsamen Essen war es an der Reihe von Dr med Armin Kalenka, Anästhesist am Universitätsklinikum Mannheim, der in seinem Vortrag auf die Beatmung von Patienten mit Adipositas permagna in der Anästhesie und auf der Intensivstation einging. Grundlage hierfür sind Kenntnis über den Zusammenhang von Körpermasse und Lungenvolumen. Dieser Zusammenhang wurde von Kalenka anhand von vielen Diagrammen erklärt. Zum Schluss ging der Mediziner besonders auf das Thema der Schlafapnoe ein, ein Problem, das bei adipösen Patienten weit verbreitet ist.

Das Universitätsspital aus Bern hatte Dirk Schröder nach Luxemburg entsendet um über die Lagerung bei bariatrischer Chirurgie zu referieren. In seinem Vortrag ging er besonders auf Infrastruktur, Lagerungshilfen und peroperative Lagerungen ein. Zur Sicherheit der Lagerungsmannschaften, werden alle Handlungen genauestens per Computer dokumentiert.

Frau Vera Siebenaller, Krankenschwester im hauptstädtischen Centre Hospitalier, schloss die Tagung mit ihrem Vortrag über die Rolle der “Infirmière coordinatrice” im Rahmen einer multidisziplinären Versorgung von Adipositaspatienten, ab. Seit einiger Zeit können übergewichtige Patienten Hilfe in der “clinique de l’obésité” in Anspruch nehmen. Neben der Entstehung von Adipositas war die Vorstellung dieser speziellen Abteilung, die sich in Eich befindet, ein Hauptthema im Referat von Frau Siebenaller.

Zum Schluss bedankte sich Herr Steve Mack, Präsident der ALIAR asbl, bei allen Interessierten für ihre Anwesenheit und verwies auf die folgenden Weiterbildungen.

Text: Dan THOMA

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