Leipzig – Sogenannte medizinische Einsatzteams (MET) in Krankenhäusern können die Patientensicherheit erhöhen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hingewiesen.
Die Teams sollen dafür sorgen, dass Notfälle erst gar nicht entstehen. Schon vor der Operation schätzen sie ab, wie hoch das individuelle Risiko eines Patienten ist. Nach dem Eingriff werten sie zudem relevante intraoperative Veränderungen von Kreislauf, Blutverlust und Lungenfunktion aus. „Unser Ziel ist es, in Deutschland eine präventive Intensivmedizin zu etablieren, um Notfälle von Anfang an zu vermeiden. Dabei können MET helfen“, erläutert Frank Wappler, Kongresspräsident des diesjährigen Deutschen Anästhesiecongresses (DAC) in Leipzig.
Er weist daraufhin, dass Patienten oft schon einige Stunden vor einem Herzstillstand bestimmte Zeichen einer Verschlechterung aufweisen. „Diese wertvolle Zeit sollte genutzt werden, um rechtzeitig und präventiv zu intervenieren. Genau an diesem Punkt setzen die MET an“, hieß es aus der Fachgesellschaft.
„An der Universitätsklinik Dresden haben wir vor vier Jahren MET eingeführt. Mit Erfolg, wir konnten damit die Rate an Herz-Kreislauf- Stillständen deutlich vermindern“, berichtet Thea Koch, Präsidentin der DGAI.
Auch das Universitätsklinikum Münster hat vor kurzem ein MET ins Leben gerufen: „Bei Patienten, die operiert werden, besteht je nach Vorerkrankung und Art des Eingriffes das Risiko, nach der OP Komplikationen zu entwickeln und zum Notfall zu werden. Diese Patienten werden an unserer Klinik bereits vor der OP identifiziert. Nach dem Eingriff erhalten diese eine zusätzliche Visite von einem Facharzt für Anästhesie“, erklärt Hugo Van Aken, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie.
Parallel werde auf den Stationen standardmäßig neben Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Schmerzen auch die Sauerstoffsättigung der Patienten bestimmt und dokumentiert. „Studien belegen, dass dieser Wert ein entscheidendes Alarmierungskriterium bei sich anbahnenden Komplikationen ist“, so Van Aken.
Ein Beratungsdienst für alle Stationen, die Patienten vor und nach der OP betreuen, ergänzt diese Maßnahmen. Die Stationsärzte können rund um die Uhr einen Facharzt mit intensivmedizinischer Erfahrung anfordern, sobald sich der Zustand eines Patienten nach der OP verschlechtert – schon bevor die Situation akut lebensbedrohlich wird. „Wir wollen eingreifen, bevor der Fall zum Notfall wird“, so Van Aken.
Die Fachgesellschaft befürwortet, MET flächendeckend einzuführen und hat dazu eine sogenannte Task Force MET gegründet. © hil/aerzteblatt.de
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Bild: Universitätsklinikum Bonn
