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Écrit par Steve MACK Mercredi, 16 Juin 2010 08:27
London – Die einalige Infusion von Tranexamsäure, einem kostengünstigen Anti-Fibrinolytikum, hat in einer randomisierten Studie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(10)60835-5) bei Traumapatienten das Risiko tödlicher Blutungen gesenkt. Die Gesamtsterblichkeit ging – wenn auch nur marginal – zurück.
An der „Clinical Randomisation of an Antifibrinolytic in Significant Haemorrhage 2“ oder CRASH-2-Studie hatten an 274 Krankenhäusern in 40 Ländern (ohne deutsche Beteiligung) 20.211 Trauma-Patienten teilgenommen.
Das Einschlusskriterium war ein schwerer Blutverlust (systolischer Blutdruck unter 90 mm Hg oder Herzfrequenz >110/min oder beides) oder die Gefahr einer schweren Blutung. Die Verletzung durfte nicht länger als 8 Stunden zurückliegen, und es durften keine Kontraindikationen bestehen.
Die Randomisierung erfolgte per Telefon mit der Zentrale an der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Die Patienten erhielten eine Infusion mit Placebo oder Tranexamsäure (Bolus 1 g über 10 min, danach eine Infusion von 1 g über 8 Stunden).
Tranexamsäure gehört zu den Substanzen, die die körpereigene Fibrinolyse hemmen, also verhindern, dass Thromben, welche verletzte Gefäße abdichten, vorzeitig aufgelöst werden. Dies geschieht bei Tranexamsäure über eine Komplexbildung mit Plasminogen.
Plasminogen kann dann nicht mehr an der Fibrinoberfläche binden und das Gerinnsel nicht auflösen. Tranexamsäure ist eine ältere Substanz, die nicht mehr einem Patentschutz unterliegt und die relativ kostengünstig produziert werden kann. Die Therapiekosten betragen weniger als 10 Euro. Es ist damit auch für Entwicklungsländer erschwinglich und könnte weltweit vielen Schwerverletzten das Leben retten, sofern es wirksam und sicher ist. Genau dies sollte die CRASH-2-Studie herausfinden. Doch die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück. Primärer Endpunkt war der Tod des Patienten innerhalb von 4 Wochen nach der Verletzung. Er trat bei 14,5 Prozent der mit Tranexamsäure behandelten Patienten gegenüber 16,0 Prozent im Placebo-Arm auf.
Das ergibt eine Number Needed to Treat (NNT) von 66,6 Patienten, die behandelt werden müssen, um einem Patienten das Leben zu retten. Die Zahl der Todesfälle durch Verbluten wurde von 5,7 auf 4,9 Prozent gesenkt (NNT 125).
In einer Pressemitteilung wird hochgerechnet: Tranexamsäure könnte weltweit jedes Jahr bis zu 100.000 Todesfälle verhindern, darunter allein 13.000 in Indien und 12.000 in China. Aber auch in den USA und Europa könnten 2.000 Patienten pro Jahr gerettet werden. Auffällig ist, dass die Publikation nicht auf die Verträglichkeit von Tranexamsäure eingeht.
In der Herzchirurgie, wo Tranexamsäure allerdings in 2 bis 10-fach höherer Konzentrationen eingesetzt wird, sind postoperative Krampfanfälle beschrieben worden, berichtet der Editorialist Jerrold Levy von der Emory University in Atlanta, der sich insgesamt aber positiv zu den Ergebnissen der Studie äußert (Lancet 2010; doi: 10.1016/S0140- 6736(10)60939-7)
- Abstract der Studie
- PDF auf Studien-Homepage
- Pressemitteilung der London School of Hygiene and Tropical Medicine
Quelle: www.aerzteblatt.de
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